Onlinemedien: Wenn man zuviel abschreibt …

8 Jan 2010 In: Medien

Echt übel! Heute hat irgendjemand einen US-Artikel falsch “abgeschrieben” und der landete dann in zigfacher Ausführung bei diversen deutschen Onlinemedien, die offenbar wiederum abgeschrieben haben.

Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum man nicht mal ganz rudimentäre Basisrecherche macht.

In dem falschen Artikel ging es um ein Interview, das auf Youtube zu finden ist. Allein das Ansehen des 1-minütigen Clips hätte die “Ente” vermeiden können.

Egal. Bei uns gab es jedenfalls die richtige Story.

Kai Diekmann hat mich heute echt geschockt

5 Jan 2010 In: Medien

Ich bin gerade dabei, mir das hier anzuschauen. Kai Diekmann bekommt eine Kamera an die Brille geschraubt und läuft einen ganzen Tag damit rum.

Der Mann hat echt den DPA-Feed ausgedruckt auf seinem Schreibtisch liegen? Das hatte ich mir schon ein wenig innovativer vorgestellt.

Sissi auf Viagra? (Headline des Tages)

17 Dec 2009 In: Medien

sissi

Nein, nicht wirklich … es geht – glaub ich – eher um abgetrennte Gliedmaßen. Leider fällt der Artikel gegenüber Headline und Teaser stark ab. Aber das Anriss kann sich wirklich sehen lassen. Hut ab, Senta!

Wo gibt es im Netz Journalismus?

17 Dec 2009 In: Medien

journalismus

Der verbal um sich schlagende Springer Döpfner hat es schon richtig erkannt. Die Medienkonzerne suchen ihr Heil in der Medienwelt des 21. Jahrhunderts im konsequenten Abbau ihrer Existenzberechtigung.

Die meisten Blätter sind on- wie offline zu Verbreitungsmaschinen von Agenturmeldungen verkommen. Gibt es dann doch mal “Handgestricktes”, wird das hektisch mit dem heißen Finger zusammengeklimpert und damit zum stilistischen und inhaltlichen Frustrationstest. Wenn der kleine Lokalredakteur sich an Artikeln zur großen Wirtschaft versucht, geht das eben regelmäßig so sehr “in die Hose”, das man schlicht falsch informiert ist.

Darum habe ich bisher BILD.de gelesen, eines der wenigen Onlinemedien, das fast ausschließlich auf handgeschriebene Texte setzt. Für den DPA-Feed habe ich meinen RSS-Reader. Da mein Chrome aber in letzter Zeit diese letzte Festung des Qualitätsjournalismus boykottiert, bin ich auf der Suche nach Ersatz.

Und dabei hoffe ich auf Eure Vorschläge!

Welche Onlinemedien, die selber klimpern, könnt Ihr empfehlen? Ich bin an deutschen und englisch-sprachigen Medien interessiert. Aber bitte nicht Welt, Focus, Spiegel und vergleichbares Dosenfutter.

Springer verpaßt sich den virtuellen Kopfschuss

15 Dec 2009 In: Medien

bezahlinhalte

Springer gehört zu den Medienkonzernen, die in meinen Augen wirklich clever agiert haben, wenn es um den Medienwandel und das Bewahren der eigenen Vormachtstellung geht.

Den Wechsel zu Bezahlinhalten bei Nachrichtenangeboten halte ich allerdings für einen Irrweg. Bezahlinhalte funktionieren imho nur in wenigen Nischen. Börsenbriefe und Ratgeber in Bereichen mit Leidensdruck imho gute Beispiele.

Aber wenn ich eine Ware (Nachrichten) überall kostenlos bekomme, wird es ein kostenpflichtiger Anbieter schwer haben. Das habe ich schon vor Jahren trompetet. Mir ist zwar wirklich schleierhaft, warum der Betreiber der Seite meint, meine Prognose wäre nicht eingetragen. Auf meine Mails diesbezüglich hat er aber leider nicht reagiert.

Die Printmedien täten meiner Ansicht nach gut daran, den echten Journalismus (Reportagen, Kolumnen, Kommentare, Hintergründe) auszubauen und die DPA-Copy+Paste auf ein Minimum zu reduzieren.

Im Web dagegen gewinnen netzgerechte Inhalte, die low-cost produziert und kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Hier ist weniger mehr. Eine gute News muss in den ersten drei Sätzen zu erfassen sein.

Artikel im Spiegel: HIV-Sängerin & Vorsorge

24 Apr 2009 In: Medien

Normalerweise bin ich ja grosser Spiegel-Fan und ich habe mich gestern sehr gefreut, als meine Freundin mir die aktuelle Ausgabe mitgebracht hat. Aber die zwei Artikel, die sich bisher gelesen habe, waren echt daneben:

1. HIV-Sängerin

Der Fall dürfte ja inzwischen bekannt sein. Der Spiegel, der selbst mit “sensationslüsternen” Aufmachern online davon profitiert hat, holt zum moralischen Rundumschlag auf Staatsanwaltschaft und Presse aus. Eine echt peinlich Nummer! Zumal der Artikel leicht schizophrene Anflüge hat und vor Konzeptlosigkeit strotzt. Passend noch die Rechtfertigung, warum selbst in diesem Artikel mit voller Namensnennung und fettem “sexy-Foto” berichtet. Man muss ja diese ganze Medien-Justiz-Sache aufklären. Ja, nee … iss klar. Dazu braucht es natürlich die Titten der Sängerin im Grossformat.

Meine 2 Cent: Wenn schon Boulevard, dann sollte man auch dazu stehen!

2. Vorsorge

Man hat sich seitenweise zu Vorsorgeuntersuchungen ausgelassen und will offenbar deren “Unsinn” kommunzieren. Dabei gibt es über all die Seiten ausgewälzt eigentlich nur ein Argument. Eine ziemlich abstruse Zahlendreherei. Man rechnet – statt der üblichen relativen Rate (ala “durch Vorsorgeuntersuchungen können XX% mehr Patienten gerettet werden”) die absolute (von 1000 Vorsorgepatienten sterben X weniger) aus. Dass selbst bei 1 von 1000 bei 80 Millionen Menschen in Deutschland auf eine stattliche Zahl von geretteten Leben kommt, wird nur kurz in einem Statement wiedergegeben. Noch peinlicher ist die Kostenwetterei.

Meine 2 Cent: Liebe Spiegel-Macher: Wie viel Euro ist ein Menschenleben wert? Wäre Euch das Retten des Lebens Eures Partners, Eurer Mutter, Eurer Tochter, 50 oder 300 Euro wert?

Vorsorge ich wichtig! Unbedingt machen!

Kondome sind "Safer Sex" aber kein "Safe Sex"

Kondome sind "Safer Sex" aber kein "Safe Sex"

Dieser Artikel ist echt übel. Da wird die wissentliche Verbreitung des HIV verharmlost mit der sinngemässen Ansage, die Sexualpartner hätten sich ja schützen können. Das Posting versagt schon in der schlichten Eigenlogik:

Es ist beim Geschlechtsverkehr nicht wie im Straßenverkehr, wo man noch so vorsichtig fahren und trotzdem nicht verhindern kann, einem Raser zum Opfer zu fallen.

Im Strassenverkehr gibt es genau wie beim Geschlechtsverkehr ein gewisses Risiko, zu “verunglücken”. In beiden Fällen kann man dieses Risiko senken (langsam Fahren, Kondome, Test + Treue) aber nicht eliminieren. Genau wie beim achtsamen Autofahren, gibt es auch gegen HIV keinen zuverlässigen Schutz. Aus der Verhütungsforschung wissen wir, dass Kondome eine hohe Versagensquote (Pearl-Index: 2-14 / 10 = 10% der Frauen, die auf diese Weise verhüten, werden innerhalb eines Jahres schwanger) haben.

Vor diesem Hintergrund ist es nahezu menschenverachtend bei solchen Vorfällen auf die Kondombenutzung zu verweisen. Denn selbst, wenn die Liebhaber Kondome benutzt hätten (Pendant zum Langsamfahren), wäre eine durchaus beachtliche Infektionsgefahr geblieben.

In diesem Artikel werden nicht nur Täter zu Opfern gemacht, sondern auch noch unkritisch in das Horn der Kondom-Lobby geblasen.

Kondome sind richtig und wichtig. Aber als alleiniger Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten völlig unzureichend. Und dafür gibt es durchaus eine schöne Analogie. Nämlich die der Menschen, die sich mit Sonnencreme LSF 32 in der Mittagssonne aalen.

Ich weiss nicht, ob Herrn Niggemeier die nötige Sachkenntnis fehlt oder er einfach nur mal wieder kräftig auf die BILD einklopfen wollte. Es interessiert mich auch nicht wirklich. Ich muss jedenfalls ganz allgemein bei den Diskussionen um dieses Thema feststellen, dass es sich durchaus lohnen kann, sich VOR dem Tippen ein Gehirn wachsen zu lassen.

Pressefreiheit: Deutschland ist das neue China

16 Apr 2009 In: Medien
Beschneidung der Presserfreiheit: In Deutschland ersetzen Geldstrafen das Gefängnis als Druckmittel

Beschneidung der Presserfreiheit: In Deutschland ersetzen Geldstrafen das Gefängnis als Druckmittel

Seit einigen Tagen hat Deutschland einen neuen HIV-Skandal. Eine bekannte Pop-Sängerin wurde verhaftet und steht unter dem Verdacht, mit mehreren Männern ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, obwohl sie von ihrer HI-Infektion wusste.

Eine Berliner Kanzlei, die sich schwerpunktmässig auf die Vertretung von Prominenten, die sich durch die Presse in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt sehen, verlegt hat, warnte die Medien schon vorab durch eine Pressemitteilung vor einer Berichterstattung in diesem Fall. Gestern hat man sich beim Landgericht Berlin eine E.V. abgeholt.

Ich stimme mit Bild-Chef Kai Diekmann überein, dass dieser massive Eingriff in die Pressefreiheit nicht hinnehmbar ist. Die Vorbildfunktion einer Prominenten macht es gerade zur Pflicht, über solche schweren Vorwürfe zu berichten.

Insgesamt stelle ich in Deutschland inzwischen eine starke Einschränkung der Pressefreiheit fest. Wir selbst haben mehrere Male Bekanntschaft mit Medienanwälten gemacht und mussten eine Beschneidung unserer Berichterstattung hinnehmen.

Grund genug für mich, erneut darüber nachzudenken, welche Alternativen sich für einen deutschen Sitz bieten. In manchen Themenbereichen ist eine Berichterstattung so stark beschnitten, dass sie kaum mehr durchführbar ist. Im Gegensatz zu China landet man in Deutschland zwar für seine Äußerungen zwar in aller Regel nicht hinter Gittern (zumindest, solange man brav zahlt), aber setzt sich kaum tragbaren finanziellen Risiken aus.

Als ich mir das Eminem-Video angeschaut habe, habe ich mich gefragt, ob das Sarah Palin Imitat die gleiche Lady (Lisa Ann) wie aus dem Pornostreifen “Who’s Nailin’ Paylin?” ist. Und bingo! Man hat sie erneut engagiert, um die Governeurin aus Alaska zu spielen.

Lustig, wie schnell man sich eine Karriere aufbauen kann. Schließlich ist Sarah Palin nicht wirklich schwer zu doublen. Da hätten sich sicher auch eine ganze Reihe billigerer Darstellerinnen gefunden.

Zitat aus Eminems Song “We made you”

Give me my venom, an inhaler, and two Xenadrine,
And I’ll invite Sarah Palin out to dinner, then
Nail her. Baby, say hello to my little friend.

Print würgt

13 Mar 2009 In: Medien
Good Bye, Print

Good Bye, Print

Nachdem ich mal probeweise versucht habe, mein Informationsbedürfnis über den altmodischen Printmarkt zu befriedigen, bin ich wieder “back online”. Mein Fazit, was gedruckte Nachrichten im Vergleich zu online angeht:

  • langsamer (+ 1 Tag)
  • teurer
  • zeitaufwendiger (Kauf, Informationsaufnahme, Entsorgung)

Warum Print würgt …

Ausserdem schafft man sich damit eine zusätzliche Verpflichtung. Wenn ich 10-15 Euro pro Woche für Zeitschriften ausgebe, habe ich das Gefühl, die auch lesen zu müssen.

Buch statt Presse

Ich werde das gesparte Geld lieber in interessante Bücher und Hörbücher investieren. Das scheint mir deutlich lohnenswerter. Magazine kaufe ich nur noch, wenn es einen wirklichen Knallerartikel gibt, den ich unbedingt lesen will. Das Inhaltsverzeichnis der meisten Publikationen kann man ja online einsehen. Noch besser würde mir das per RSS gefallen, weil es den “wöchentlichen Check” aus meinem Kopf verbannen würde.